Radikale Ehrlichkeit
Der amerikanische Psychotherapeut Brad Blanton hat das Konzept der radikalen Ehrlichkeit in den 1990iger Jahren geprägt.
Er ist der Meinung durch das Aussprechen von Gedanken, Wünschen und Gefühlen, eben durch Offenheit, wird eine größere Nähe und Authentizität in Beziehungen erreicht.
Es geht hier darum absolut ehrlich miteinander umzugehen, auch mit sich selbst.
Sogar Notlügen sollen vermieden werden, auch dann, wenn sie aus Angst vor Ablehnung, Beschämung oder um Konflikte zu vermeiden erzählt werden.
Die Auseinandersetzung mit der eigenen Ehrlichkeit und der Ehrlichkeit anderer ist nicht immer leicht, kann aber, was ich als positiv erachte, zu individuellem Wachstum und einer neuen Perspektive auf Beziehungen führen.
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Worterklärung:
radikal ist in diesem Zusammenhang zu verstehen als
- von Grund aus erfolgend, ganz und gar;
- vollständig, gründlich
und nicht etwa als
- mit Rücksichtslosigkeit und Härte vorgehend, durchgeführt
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Ich persönlich versuche mich schon seit Jahren in radikaler Ehrlichkeit und kann Brad Blanton nur zustimmen. Beziehungen bekommen eine andere Tiefe und Vertrautheit.
Ich war aber auch noch nie ein Freund von Lügen, auch Notlügen fand ich schon immer schrecklich. Den Sinn dahinter habe ich nie so ganz verstanden.
Außerdem kann ich nur vertrauen, wenn ich sicher bin, dass ich nicht belogen werde.
Ich bin der Meinung man kann über jede Wahrheit reden, sei sie auch im ersten Moment noch so schmerzhaft.
Liebessprachen
Laut dem amerikanischen Paar- und Beziehungsberater Gary Chapman gibt es folgende fünf Liebessprachen:
- Worte der Anerkennung/Lob – words of affirmation
- Zweisamkeit/Qualitätszeit – quality time
- Geschenke – gifts
- Hilfsbereitschaft – acts of service
- körperliche Berührung/Zärtlichkeit – physical touch
Hier geht es sowohl darum wie du deine Liebe zeigst, als auch wie du dich geliebt fühlst.
Überlege welche dieser Sprachen du sprichst (also wie du deine Liebe zeigst) und welche du verstehst (also was du brauchst um dich geliebt zu fühlen)
Ein Beispiel:
Du beschenkst deine Partnerperson gerne, um ihr so deine Liebe zu zeigen, fühlst dich aber nicht geliebt, wenn sie dich beschenkt. Du sprichst also die Sprache der Geschenke, verstehst sie aber nicht.
Um dich geliebt zu fühlen brauchst du vielleicht Worte der Anerkennung, diese im Gegenzug auszusprechen fühlt sich aber für dich nicht stimmig an. Also verstehst du die Sprache der Anerkennung, sprichst sie aber nicht.
Wichtig ist es heraus zu finden welche Sprache deine Partnerperson versteht, damit du diese anwenden kannst, so dass sie sich geliebt fühlt. Andersherum natürlich auch.
Im Idealfall passen eure Liebessprachen zueinander, wenn nicht könnt ihr daran arbeiten eine andere Sprache zu erlernen.
Wann reden?
Wann mit einem potentiellen Partner reden?
Na, direkt beim Kennenlernen.
Du musst natürlich nicht alles gleich beim ersten date besprechen, aber alle beziehungsrelevanten Themen sollten besprochen sein, bevor ihr eine Beziehung eingeht.
Wichtig ist: sei ehrlich und beschönige nichts um zu gefallen!
Schließlich geht es in der Kennenlernphase darum herauszufinden ob dein Gegenüber und du zueinander passt und das findest ihr nur heraus wenn ihr ehrlich und authentisch seid.
Wann mit meiner Partnerperson reden?
Immer wenn etwas ansteht.
Sprecht, wenn du oder deine Beziehungsperson Redebedarf hat
Wartet nicht auf den perfekten Zeitpunkt, den gibt es nämlich nicht.
Sicher gibt es ungünstige Momente; klärt miteinander wann ihr eher nicht über wichtige oder gar schwere Themen reden möchtet oder könnt.
Wenn du wartest, weil das Thema über das du gerne reden möchtest „nicht so wichtig“ oder das, was dich stört „nicht so schlimm“ ist, dann staut es sich in dir auf und dann wird ein Thema, was vielleicht wirklich nicht so bedeutsam ist, zum Auslöser für einen heftigen Streit.
Wie der Wassereimer der mit dem letzten Tropfen Wasser überläuft